Die Frau im Eis

Die Frau im Eis

Originaltitel: Vargur
Genre: Thriller
Regie: Börkur Sigpórsson
Hauptdarsteller: Ingvar Eggert Sigurðsson • Anna Próchniak
Laufzeit: DVD (92 Min) • BD (95 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 16

Die Frau im Eis   12.04.2019 von MarS

Der Begriff "Nordic Noir" hat sich mittlerweile für die überwiegend düsteren skandinavischen Drama- und Thriller-Produktionen etabliert und bezeichnet damit ein sehr beliebtes Untergenre bei Fans. Der Thriller Die Frau im Eis zählt ebenfalls zu diesem Genre, kommt aber ausnahmsweise einmal nicht aus Norwegen, Finnland, Dänemark oder Schweden, sondern dem bis dato eher unscheinbaren Island...

 

Inhalt

 

Die Brüder Atli und Erik könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Atli bereits einen Aufenthalt im Gefängnis hinter sich hat, verdient sich Erik als angesehener Rechtsanwalt seine Brötchen, während ihre drogensüchtige Mutter zuhause ihr Dasein fristet. Doch auch bei Erik geht nicht immer alles legal zu, und so wird er von seinem Arbeitgeber beschuldigt, für das Fehlen von 30 Millionen Euro aus einem Häuserdeal verantwortlich zu sein. Ein einfacher Drogenschmuggel soll Atlis und Eriks Geldsorgen aus dem Weg schaffen, und die junge Polin Sofia soll dabei als Kurier dienen. Doch Sofia bekommt bereits auf dem Flug ins Land gesundheitliche Probleme und muss sich übergeben, wobei sie eines der Kokain-Pellets aus ihrem Magen verliert. Atli schnappt sich Sofia und verschanzt sich in einem Hotel, um dort darauf zu warten, dass auch die übrigen Pellets ihren natürlichen Weg finden, doch die junge Frau scheidet das Kokain auch nach mehreren Tagen nicht aus. Als dann auch noch die Polizei den beiden ungleichen Brüdern auf die Spur kommt, wird die Zeit langsam knapp...

 

Wie für das "Nordic Noir" Genre üblich zeigt sich auch Die Frau im Eis sehr ruhig erzählt, während die Atmosphäre absolut düster und durchwegs bedrohlich gehalten wird. Viel geschieht eigentlich nicht im Verlauf der Handlung, denn bei seinem Langfilmdebüt setzt Börkur Sigpórsson konsequent auf seine Figuren und deren Entwicklungen untereinander, anstatt sich vielschichtig oder gar verwirrend zu geben. Dementsprechend baut der Film natürlich auf die Leistungen der Darsteller, mit denen die gesamte Inszenierung steht und fällt, und genau in diesem Bereich wissen alle Beteiligten auf ganzer Linie zu überzeugen. Während die beiden gänzlich ungleichen Brüder dabei durch ihre unerwarteten Charakterisierungen zu überraschen wissen, gelingt es Anna Próchniak alleine durch ihre grandiose Präsenz und oftmals wortlose, dafür umso intensivere emotionale Bandbreite, den Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Die Handlung selbst, wenn auch über weite Strecken vorhersehbar, funktioniert ebenso als fesselnder Thriller wie auch als Kammerspiel zwischen wenigen Beteiligten, und entwickelt sich langsam aber absolut konsequent bis hin zur längst überfälligen und äußerst brutalen Eskalation immer weiter. Unterdessen macht Die Frau im Eis mehr als deutlich, wozu Menschen aus Verzweiflung in der Lage sind, und wie diese Spirale der Gewalt und Illegalität letztendlich immer weiter in den Abgrund führt.

 

Bildergalerie von Die Frau im Eis (5 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Das Bild der Blu-ray ist scharf und gut detailliert, wogegen die Farbgebung entsprechend der düsteren Grundstimmung sehr kühl gehalten ist und ein wenig entsättigt wurde. Leider wirkt sich das auch auf den Kontrast sowie den Schwarzwert aus, denn das Kontrastverhältnis könnte stellenweise etwas kräftiger sein, während der Schwarzwert nur selten wirklich dunkle Bereiche liefert, ansonsten jedoch eher grau wirkt. An der Tonspur gibt es eigentlich nichts auszusetzen, denn der mit Ausnahme des Finales gänzlich dialogorientierte Film bietet ohnehin keinerlei Anlass für große Dynamik oder ausschweifende Räumlichkeit. Kleinere Effekte sowie der Soundtrack werden dezent eingebunden, während die Sprachausgabe stets klar und deutlich wiedergegeben wird. Erst wenn die Situation am Ende eskaliert zeigt sich der Ton durchaus druckvoll und kräftig abgemischt. 


Das Fazit von: MarS

MarS

 

Die Frau im Eis - ehrlich gesagt ein wirklich seltsamer deutscher Titel für diesen Film - ist ein atmosphärischer, ruhig erzählter und charakterorientierter Vertreter des "Nordic Noir" Genres, der trotz vorhersehbarer, eigentlich simpler Geschichte durchwegs zu fesseln weiß. Wen das gemächliche Erzähltempo nicht stört, der findet in Die Frau im Eis einen sehr guten Genrevertreter, dessen unausweichliche finale Eskalation wirklich schwer im Magen liegen bleibt. 


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