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Shenmue III

Publisher: Deep Silver
Entwicklerstudio: Ys Net
Genre: Rollenspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 19.11.2019
USK 12

Shenmue III    14.12.2019 von Torsten

2001 endete Shenmue 2 mit einem Cliffhanger, der keine Fortsetzung erhalten sollte. Zwar hatten die beiden erschienenen Titel einer geplanten Reihe später einen Kultstatus erreicht, waren aber kommerzielle Misserfolge, die im Widerspruch zu den ungewöhnlich hohen Produktionskosten standen. Jahre später starteten Fans eine Kampagne zur Fortsetzung der Serie, jedoch blieb Sega den Fans eine konkrete Antwort schuldig. Erst die Gründung einer eigenen Firma und eine eigens inszenierte Kickstarter-Kampagne des Entwicklers Yu Suzuki brachten einen Umschwung. Mit 6 Millionen US-Dollar, alleine 2 Millionen brachte der Aufruf in den ersten sieben Stunden ein, sollte das Projekt eines der erfolgreichsten der Plattform werden. Der überwältigende Erfolg des Crowdfundings brachte laut Suzuki genügend für den Abschluss der Serie ein. Nun bekommen wir also den direkten Nachfolger zum zweiten Teil aus dem Jahr 2001, aber nicht das Ende präsentiert. Ob sich das Warten gelohnt hat versuchen wir hier im Test zu beantworten...

 

Langsamer Story-Aufbau

 

Ohne große Umschweife starten wir im dritten Teil exakt dort, wo Teil 2 seinerzeit endete. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, bekommt kaum erklärende Worte. Wir erfahren, dass Ryo auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters ist und dass der geheimnisvolle Phönix-Spiegel etwas damit zu tun hat. So befindet sich Ryo nun in der chinesischen Provinz, wo er Zuflucht bei der jungen Shenhua gefunden hat. Ihr Vater ist verschwunden und so begeben sich die beiden zusammen auf die Suche. Die ersten Gespräche führen wir als Ryo mit den Bürgern eines kleinen Dorfes. Ryo ist dabei recht wortkarg und distanziert, wirkt geradezu begriffsstutzig und schwerfällig. Aber so kennen Fans den jungen Asiaten bereits.

 

Ebenso bekannt ist die gemächliche Art und Weise, wie sich die Geschichte nach und nach aufbaut. Wir erkunden die Umgebung, führen Unterhaltungen mit Personen, die unseren Weg kreuzen und gelangen so an Informationen, die uns am Ende weiterbringen sollen. Aber zu den ersten Höhepunkten müssen wir uns lange Zeit in Geduld üben und bis dahin weite Strecken repetitiv zurücklegen.

 

Von Minispielen bis Quick-Time-Events

 

Wie schon im Test der Shenmue I und II Collection erwähnt finden sich Asien-Fans, die schon einmal einen Teil der etwas moderneren Yakuza-Reihe gespielt haben, sofort zurecht. Kein Wunder, gilt die Japan-Serie doch als geistiger Nachfahre von Shenmue. Immer wieder finden wir Gelegenheiten, unser Können in kleineren Spielen oder Geschicklichkeitseinlagen unter Beweis zu stellen. Ringe werfen, Angeln, Arcade-Games und viele mehr stehen hier zur Verfügung, aber natürlich auch das Fahren eines Gabelstaplers, das Gabelstapler-Rennen aus Shenmue I lässt grüßen.  

 

Bildergalerie von Shenmue III (12 Bilder)

Auf dem Weg durch die Handlung geraten wir mit Ryo aber auch hin und wieder in brenzlige Situationen, in denen wir entweder jemanden verfolgen oder kämpfen müssen. Bei der Jagd kommen dann Quick-Time-Events zum Einsatz, die Anfang der 2000er noch als frisch galten, heutzutage aber eher nervig anmuten.  Der Anspruch ist in Teil 3 allerdings etwas höher und so vergehen nur wenige Augenblicke, in denen wir die korrekte Taste drücken können. Ein Tempo-Kontrast zum sonst eher behäbigen Spielablauf. Im Kampf schaltet das Spiel in eine örtlich begrenzte Arena um, in der wir blocken und angreifen müssen, um unsere Widersacher auszuschalten. Zahlreiche Angriffsvarianten kommen im Verlauf des Spiels hinzu. Gerade im unteren Schwierigkeitsgrad ist das allerdings eher eine Pflichtaufgabe, denn eine Kür. Es sei, denn wir haben zulange nichts mehr gegessen. Denn dann ist die Energieanzeige so niedrig, dass uns schnell die Puste ausgeht. Denn neu hinzugekommen ist, dass der smarte Asiate nun auch Hunger hat. Ein Energiebalken informiert uns darüber, wann wir wieder etwas Essbares finden sollten. Das ist zwar recht einleuchtend und Essen gibt es genügend, nervt aber nach einiger Zeit dennoch, weil wir neben den Aufgaben und der Story immer wieder nach Proviant Ausschau halten müssen. Nicht ohne Grund bekommen Zuschauer eines spannenden Action-Thrillers selten mit, dass die Protagonisten auch essen und trinken. Es ist einfach nicht sonderlich unterhaltsam. Ryo muss übrigens jeden Abend pünktlich zuhause sein, auch wenn die nörgelnde Mutter aus den Vorgängern nun fehlt, die uns allabendlich für unsere späte Rückkehr gerügt hat. 21 Uhr ist Zapfenstreich im Spiel und Ryo kehrt automatisch in sein Heim zurück.

 

Ein nahezu modernes Gewand mit ordentlichem Ton

 

Technisch war die Shenmue I und II Collection trotz Remastered-Neuauflage natürlich kein Vorzeigewerk, aber die Spielvorlagen waren halt schon sehr alt, sodass wir das gerne hingenommen haben. Störend war hingegen der Sound, der wie aus einem kaputten Lautsprecher in einer Blechdose dröhnte. Das ist nun Vergangenheit und es erklingen schöne Melodien in knisterfreier Qualität aus den Boxen. Ryos Stimme versprüht zwar immer noch den Elan eines lustloses Dauerkiffers in der Morgenstunde, anderen Charakteren wurde jedoch deutlich mehr Leben eingehaucht. Wieder haben wir zudem die Wahl, ob wir die englische oder die asiatische Tonspur bevorzugen. Untertitel sind auch in Deutsch verfügbar.

 

Optisch präsentiert sich Teil 3 weitestgehend modern. Es gibt wunderschöne Landschaften, detaillierte Innenräume und jede Menge Leben. Gerade die später zu bereisende Küstenstadt liefert allerhand Detailinformationen, die das Auge erst einmal verarbeiten muss. Im starken Kontrast hierzu stehen aber die hölzernen Animationen und die emotionslosen Gesichter mit ihrer puppenhaften Mimik. Außerdem ploppen Spielfiguren des Öfteren in wenigen Metern vor uns plötzlich auf und es gibt hier und da Probleme mit einer flüssigen Bildrate und Rucklern.



Cover & Bilder © 2019 Ys Net


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Shenmue 3 ist ein Relikt vergangener Tage aufgehübscht in fast zeitgemäßer Optik. Fans der ersten beiden Teile bekommen hier genau das, was sie sich erhofft haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Neueinsteiger werden sich schnell langweilen, falls sie dem Spiel nicht die nötige Zeit zur Entfaltung geben. Denn ähnlich der alten Filmklassiker sind heutzutage nur noch wenige Leute in der Lage, Szenen gebührend auf sich wirken zu lassen, ohne gleich mit jeder Menge CGI-Effekte befriedigt zu werden. Shenmue 3 erzählt seine Geschichte in einem längst vergessenen Tempo, weiß aber sehr wohl mit jeder Menge Abwechslung zu unterhalten. Allerhand Minispiele und Nebenquests bieten reichhaltige Möglichkeiten der Beschäftigung. Zudem wird ein ums andere Mal die asiatische Kultur beleuchtet. Den besseren Fernost-Simulator finden wir jedoch in den Ablegern der (moderneren) Yakuza-Serie.


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