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Des Teufels Bad
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BEWERTUNG |
04.04.2025 von MarSMit Des Teufels Bad veröffentlicht Plaion Pictures den österreichischen Beitrag zur Oscarverleihung 2025 auf DVD und Blu-ray. Wir haben uns das von Veronika Franz und Severin Fiala (Ich seh, ich seh) präsentierte Folk-Horror Drama für Euch angesehen...
Oberösterreich, 1750. Nach ihrer Heirat mit Wolf (David Scheid) ist das Leben der jungen Agnes (Anja Plaschg) von der harten Arbeit auf dem Land geprägt. Während Agnes von ihrem Glauben und der Hoffnung auf ein baldiges Kind dazu getrieben wird, die täglichen Strapazen zu ertragen, wird sie zunehmend von Wolf und vor allem dessen Mutter Gänglin (Maria Hofstätter) bedrängt, die mit keiner ihrer Bemühungen zufrieden zu sein scheint. Mit der Zeit beginnen auch die übrigen Bewohner der eingeschworenen und abergläubischen Dorfgemeinschaft an Agnes´ Fähigkeiten als Ehefrau zu zweifeln, weshalb sich Agnes immer mehr in ihre eigene Welt zurückzieht und sich zusehends selbstzerstörerisch verhält. Als sie keinen anderen Ausweg mehr sieht, fasst Agnes schließlich einen folgenschweren Entschluss...
In Des Teufels Bad thematisieren Veronika Franz und Severin Fiala ein weitestgehend unbekanntes Feld der Geschichte: den mittelbaren Selbstmord, um das kirchliche Dogma des Selbstmords zu umgehen. Erschreckenderweise basiert die Erzählung auf einem wahren historischen Fall, der von der amerikanischen Historikerin Kathy Stewart veröffentlicht wurde - und dabei nur einen von etwa 400 überlieferten Fällen darstellt. Franz und Fiala setzen bei ihrer Inszenierung auf ein hohes Maß an Authentizität, was düstere, schwach ausgeleuchtete Bilder und eine durchwegs unangenehme Atmosphäre zur Folge hat, die von teils sehr drastischen Gewaltspitzen noch weiter verstärkt wird. Diese umfassen allerdings nicht nur verbale, psychische oder körperliche Gewalt zwischen Menschen, sondern auch in der damaligen Zeit ganz alltägliche Gewalt, was für so manchen Zuschauer ein ums andere Mal einen sehr schockierenden und erschütternden Beigeschmack hinterlassen dürfte. Das Leben im 18. Jahrhundert war schmutzig, roh und brutal, ebenso geprägt von intensivem religiösem Glauben wie auch Aberglauben und bizarren, grotesken Ritualen, und Des Teufels Bad weiß dies nicht nur glaubwürdig in Szene zu setzen, sondern auch gewinnbringend für die eigene Erzählung zu nutzen. Ein Gewinn ist hier jedoch zweifellos auch Hauptdarstellerin Anja Plaschg, die regelrecht selbstaufopfernd ihre Rolle zu einer der beeindruckendsten Leistungen im deutschsprachigen Kino werden lässt. Absolut nachvollziehbar und dennoch stets an der Grenze zur mindestens ebenso hassenswerten Figur wie dies bei allen übrigen Charakteren der Fall ist bietet Plaschg eine intensive, mitreissende Performance, derer man sich mit zunehmender Laufzeit immer weniger entziehen kann - bis es schließlich zum großen Finale kommt, im dem das gesamte Geschehen endgültig so niederschmetternd eskaliert, dass man als Zuschauer nur noch mit zugeschnürtem Hals und offenem Mund das Gesehene zu verarbeiten versucht...
Details der Blu-ray
Auf Grund des bewusst gewählten Stils des Films tut sich die Blu-ray sichtlich schwer, scharfe und detailreiche Bilder zu liefern, denn das Geschehen ist geprägt von tristen, dunklen Farben, minimaler Ausleuchtung sowie oftmals nebligen Sequenzen. Dennoch hinterlässt die Blu-ray gerade dadurch einen sauberen, ansprechenden und durchwegs atmosphärischen Eindruck, während Kontrastumfang und Schwarzwert auf hohem Niveau eingestellt sind. Die Tonspur ist leider der Schwachpunkt der Blu-ray, denn Umgebungsgeräusche und diverse markerschütternde Surroundeffekte werden ebenso kraftvoll und dynamisch wiedergegeben wie der gelungene Score (übrigens aus der Hand der Hauptdarstellerin Anja Plaschg unter ihrem Pseudonym Soap&Skin), wogegen die Dialoge im Vergleich dazu viel zu leise abgemischt wurden. Dementsprechend gehen zahlreiche Dialogpassagen im Geschehen unter, was in Verbindung mit der im Dialekt vorliegenden Sprache sehr oft zu Verständnisproblemen führt. In Anbetracht dessen, was Des Teufels Bad jedoch alleine durch seine Bildsprache beim Zuschauer auslöst, ist dies allerdings zu verschmerzen. Cover & Bilder © Plaion Pictures / © UlrichSeidlFilmproduktion Heimatfilm Das Fazit von: MarS
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