Kilia

Kilia

Genre: Kartensammeln • Ressourcenmanagement • Enginebuilding
Autor: Lars Ehresmann
Illustrator: Stefan Sonnberger
Spieleverlag: Huch!
Empfohlenes Alter: 14
Spieldauer: 60 Minuten

Kilia   02.06.2026 von Born2bewild

Manchmal ist uns der Zufall gut gesinnt. Eigentlich waren wir auf der SPIEL’25 zielstrebig zu Hutter gelaufen, um dort Severton zu spielen. Aber: da saß schon jemand. Und irgendwie war dann nur noch der Tisch mit Kilia frei. Hinzu kam, dass das Spielmaterial uns irgendwie angelächelt hat (nein, kein Spiegel!). Also ließen wir uns nieder und wurden sehr überrascht. Ob positiv oder negativ, erfahrt Ihr in unserem Review…

 

Spielmaterial und Aufbau

 

Zum Spielmaterial von Kilia gehören drei Stanzbögen und vier Double-Layer-Tableaus. Während die Stanzbögen relativ dick ausfallen, sind die Tableaus eher dünn und - so haben wir es auf der Messe und auch zuhause wahrgenommen - nicht so richtig gerade. Dadurch verschieben sich die Karten später leider etwas. Aber dazu später mehr. Für die Tischmitte gibt es noch einen Spielplan - ebenfalls aus Karton - und einen Block zum Zählen der Punkte. Leider wird in Form der Zipp-Beutel, die in leerer Form und als Verpackung des Holz-Materials beiliegen, noch sehr viel Kunststoff mitgeliefert. Die Holzmarker sind sehr nett gestaltet und haben Farbe und Form der Ressourcen, die sie darstellen sollen. Die Karten sind ebenfalls in Plastik eingeschweißt und haben ein sehr funktionales Design. Das ist für den späteren Spielverlauf notwendig. Ein schönes Detail ist aber an dieser Stelle, dass der Fluss (oder „Schleswig-Holsteinische Canal“) auf diesen Karten fortgeführt wird, sie also aneinandergelegt werden können. Auch wenn es auf den ersten Blick schlicht wirkt, so gibt es doch ein paar nette Details zu entdecken. Ein Kernelement und Highlight des Spiels sind die Schiffe, die Ihr aus den Stanzbögen herausdrücken müsst. Hier gibt es von jedem Schiff fünf Stufen, die in den höheren Stufen sowohl „ausgebauter“ aussehen, als auch mehr Aussparungen zum Ressourcensammeln haben. Anleitungen liegen insgesamt vier bei: englisch, französisch, niederländisch und natürlich deutsch.

 

Bevor Ihr Euch an den Spielaufbau macht, solltet Ihr erst einmal die Karten nach ihren Rückseiten sortieren. Es gibt: vier „Kieler-Sprotten“, vier Startaufträge mit den Spielerfarben auf der Rückseite und je einen Stapel mit Auftrags- und Aktionskarten. Für jedes Spiel legt Ihr das Ratstableau in die Mitte und nehmt Euch je eins der Spielertableaus mit dem zugehörigen Startauftrag. Die Münzen und Ressourcen legt Ihr in die Mitte des Tisches. Alle erhalten nun alle Ressourcen, außer die, die der jeweiligen Farbe entsprechen. Außerdem erhaltet Ihr noch drei Münzen. Die „Kieler-Sprotten“, die Jokerkarten für Ressourcen sind, legt Ihr auch als Vorrat bereit. Die Auftrags- und Aktionskarten werden jeweils gemischt und fünf Karten aufgedeckt. Die fünf Auftragskarten kommen auf das Tableau oberhalb der Schlüsselsymbole, die fünf Aktionskarten kommen darunter. Nun nehmt Ihr Euch noch die Schiffe und legt sie bei Eurem Tableau im Kanal nach ganz links. Wichtig: Der Bug muss nach rechts zeigen, da die Schiffe immer vorwärtsfahren. Außerdem bekommt Ihr noch jeweils vier Wertungsmarker in Eurer Farbe. Die Person, die zuletzt in einer Hafenstadt war, erhält nun das Kieler Wappen und beginnt das Spiel. In der Anleitung erfolgt die Wahl der Farben beginnend mit der Person mit dem Kieler Wappen, wir fanden aber eine zufällige Verteilung schneller…

 

Ziel des Spiels

 

Runde um Runde baut Ihr die vier Bereiche Schloss, Universität, Werft und Packhaus Eures Tableaus aus. So erhaltet Ihr ein besseres Schiff, baut Euren Kanal aus oder bekommt durch Wissen mehr Boni. Am Ende jeder Runde fahren die Schiffe durch den Kanal auf Eurem Tableau und Ihr erhaltet dadurch wiederum Ressourcen, die Ihr für den Ausbau benötigt. Auf dem Ratstableau befinden sich sechs Bedingungen, mit deren Hilfe Ihr Siegpunkte erhaltet und auf denen Ihr nach Erfüllung Euren Punktemarker legt. Sobald eine Person mindestens vier Marker auf das Ratstableau gelegt hat, wird die letzte Runde eingeleitet. Diese spielt Ihr noch zu Ende und zählt dann Eure Siegpunkte. Die Person mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

 

Die Anleitung

 

Beim Lesen der zwölfseitigen Anleitung hatten wir den kleinen Vorteil, dass wir Kilia auf der SPIEL 2025 bereits erklärt bekommen haben. Allerdings liest sich die Anleitung sehr gut und ist leicht verständlich. Sie hat eine gut durchdachte Struktur und veranschaulicht die Regeln mit Hilfe vieler Bilder und Beispiele. Wir schätzen gut die Hälfte der Anleitung sind Bilder und Illustrationen.

 

Erstmal Kiel(ia)holen…

 

Jede Runde in Kilia besteht aus zwei Phasen. Als Erstes führt Ihr jeweils eine Aktionsphase aus, bei der Ihr Euch eine Karte wählt, eine Aktion auswählt und durchführt und anschließend die Karten wieder auffüllt. Dann folgt die Ratsphase, bei der Ihr mit Eurem Schiff durch den Kanal fahrt und Ressourcen sammelt, bis es dann in die nächste Runde weitergeht.

 

Die Person mit dem Kieler Wappen beginnt die Runde und wählt sich eine Aktionskarte aus. Dabei müsst Ihr die Anzahl Eurer Schlüssel-Symbole im „Schloss“ (links oben auf Eurem Tableau) beachten. Ihr könnt also am Anfang erst einmal nur die Aktionskarte ganz links kostenlos nehmen. Die anderen könnt Ihr auch nehmen, müsst dafür allerdings die abgebildete Anzahl an Münzen bezahlen. Was nun im Weiteren folgt, ist vom Symbol beziehungsweise der Farbe Eurer Karte abhängig:

 

  • Schlüssel (Schloss)
  • Pantheon (Universität)
  • Schiff (Werft)
  • Anker (Packhaus)
  • symbolunabhängig (Marktplatz)

 

Egal welche der Karten Ihr wählt, zur ersten Aktion gehört immer, dass Ihr die gewählte Karte in die Aussparung des entsprechenden Symbols so einschiebt, dass nur noch das Symbol der Karte zu sehen ist. Hier haben wir leider auch das Problem der nicht ganz geraden Tableaus: Wenn Ihr sie nicht geradebiegt, rutschen Euch die Karten aus diesen Aussparungen wieder heraus. Wichtig ist bei allen Aktionskarten: Ihr dürft in jedem der vier Bereiche maximal vier Karten anlegen. Außerdem müsst Ihr immer die Ressource bezahlen, die auf Eurem Tableau unter dem Symbol abgebildet ist, in der Anzahl der Karten, die dort bereits liegen plus Eins.

 

Entscheidet Ihr Euch für den Ausbau Eures Schlosses, so dürft Ihr neben der gewählten Karte noch eine der fünf offenen Auftragskarten nehmen. Dabei müsst Ihr aber ebenfalls die Schlüsselsymbole oder Gebühren beachten. Die Auftragskarten sammelt Ihr offen vor Euch. Sollten Euch die offenen Aufträge nicht gefallen, könnt Ihr fünf Münzen bezahlen, um die Auslage durch neue Aufträge auszutauschen.

 

Auf allen Aktionskarten findet Ihr im unteren Bereich Fähigkeiten oder Boni. Diese kommen bei der Wahl des Ausbaus der Universität zur Geltung. Hier wählt Ihr zusätzlich zu Eurer Aktionskarte eine weitere, bei der Ihr zwar ebenfalls die Schlüssel oder Kosten beachten müsst, aber sie nicht als eine solche spielt. Ihr schiebt sie so unter die Universität in die „Wissensaussparung“, dass man die Fähigkeit der Karte noch sieht. Ab diesem Moment könnt Ihr diese nutzen. So erhaltet Ihr beispielsweise zusätzliche Aktionen, wenn Ihr bestimmte Gebäude ausbaut oder dürft bestimmte Ressourcen für andere nutzen oder erhaltet am Ende des Spiels für manches noch Siegpunkte.

 

Ein sehr wichtiges Element des Spiels ist Euer Schiff. Mit ihm sammelt Ihr am Ende jeder Runde Ressourcen. Um mehr Ressourcen zu sammeln, empfiehlt es sich, Euer Schiff auszubauen. Das gelingt mit dem Ausbau der Werft. Hierfür benötigt Ihr keine weitere Karte, sondern tauscht lediglich Euer Schiff durch das der nächsten Stufe aus. Beachtet dabei immer die Bugrichtung, die in Fahrtrichtung des Schiffes zeigen muss.

 

Damit Euer Schiff nicht nur auf einem Eurer Kanalfelder Ressourcen sammelt, solltet Ihr Euer Packhaus ausbauen. Hierfür müsst Ihr zusätzlich zur gewählten Aktionskarte auch eine weitere nehmen und wieder die Kosten oder Schlüssel beachten. Dieses Mal ist aber die Kartenmitte entscheidend. Sie ist in vier Felder aufgeteilt, die - was ein Zufall! - genau in Eure Kanalfelder passen. Auch hier gibt es Aussparungen, die Euch vorgeben, die Karte aufrecht darunter zu legen. Ihr dürft die Karten aber um 180° drehen, wenn Euch das besser passt.

 

Als letzte Aktion, die Ihr mit den Karten ausführen könnt, ist noch der Marktplatz übrig. Hier müsst Ihr die gewählte Karte nicht unter Euer Tableau legen, sondern verdeckt auf eines der freien Markplatz-Felder Eures Tableaus. Dabei müsst Ihr aber korrekt in Pyramidenform bauen. Also immer erst zwei Karten unten, bevor Ihr eine Karte darüberlegt. Immer wenn Ihr eins der Felder abdeckt, erhaltet Ihr die dort abgebildete Ressource, Münze(n) oder eine der „Kieler-Sprotten“. Auf der Rückseite der Karte ist eine Ressource abgebildet. Von nun an könnt Ihr jederzeit in Eurem Zug eine Münze auf diese Karte legen und als die abgebildete Ressource einsetzen. Je nach Ebene des Marktes geht das bis zu drei Mal. Die so erhaltenen Ressourcen müssen aber sofort eingesetzt werden und können nicht in den Vorrat auf dem eigenen Tableau gelegt werden.

 

Für das Erfüllen Eurer gesammelten Aufträge müsst Ihr keine Karten einsetzen. Das könnt Ihr jederzeit in Eurem Zug machen, indem Ihr die geforderten Ressourcen aus Eurem Vorrat ablegt und die Belohnung für den Auftrag nehmt. Den Auftrag legt Ihr verdeckt beiseite. Außerdem könnt Ihr Eure Wertungsmarker auf das Ratstableau neben die Punktzahlen legen, wenn Ihr eine der Bedingungen erfüllt.

 

Sobald Ihr Eure Aktionsphase beendet habt, schiebt Ihr die Kartenauslagen so nach links, dass die leeren Felder verschwinden. Außerdem deckt Ihr dann neue Karten auf, sodass die Auslagen wieder vollständig sind. Dann ist die nächste Person an der Reihe, bis alle dran waren. Es folgt die Ratsphase.

 

In der Ratsphase werden als erstes die Wertungsmarker auf dem Ratstableau auf das freie Feld mit der höchsten Wertung gelegt. Die Marker einer Runde werden dabei gestapelt, sodass Ihr, wenn Ihr die Bedingung in derselben Runde erfüllt habt, dieselben Punkte erhaltet. Sollte dabei jemand den vierten Wertungsmarker einsetzen, spielt Ihr im Anschluss an die Ratsphase die letzte Runde. Solltet Ihr dabei weitere Wertungsmarker benötigen, nehmt Ihr die Ressourcenmarker Eurer Farbe als Ersatz. Anschließend legt Ihr die Münzen von Eurem Marktplatztableau ab und lasst Eure Schiffe fahren. Dabei fahrt Ihr Feld für Feld in Richtung des Bugs und erhaltet alle Ressourcen, die Ihr durch die Sichtfenster Eures Schiffes sehen könnt. Ein Sonderfall ist die Stufe zwei Eures Schiffs, hier müsst Ihr Euch je Feld für eine der beiden Sichtfenster entscheiden. Nachdem Ihr die Ressourcen des letzten Feldes gesammelt habt, dreht Ihr Euer Schiff um, sodass der Bug für die nächste Ratsphase in die andere Richtung zeigt. Dann geht es mit der nächsten Aktionsrunde weiter.

 

In der letzten Runde fahren Eure Schiffe nicht mehr. Nun zählt Ihr die Punkte Eurer Wertungsmarker, der erfüllten Aufträge und jeweils drei Punkte für die Ausbauten Eurer Farbe zusammen. Habt Ihr nun noch Bedingungen im Wissensbereich Eures Tableaus, müsst Ihr diese Siegpunkte auch noch hinzuzählen. Dann gewinnt die Person mit den meisten Punkten.

 

Bildergalerie von Kilia (10 Bilder)

Lieferumfang

 

  • 1 Ratstableau
  • 82 Münzen
  • 100 Waren
  • 10 5x Plättchen
  • 4 Karten „Kieler-Sprotten“
  • 36 Auftragskarten
  • 96 Aktionskarten
  • 1 zusätzliches Wertungsrad
  • 4 Spieltableaus
  • 20 Schiffe
  • 16 Wertungsmarker
  • 1 Kieler Wappen
  • 1 Wertungsblock
  • 4 Spielanleitungen (deutsch, französisch, englisch, niederländisch)


Cover & Bilder © Cover: Hutter Trade GmbH + Co KG / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: Born2bewild

Born2bewild

Alex:

Wie bereits eingangs erwähnt, hatten wir Kilia gar nicht auf dem Schirm. Aber: Es war eine sehr positive Überraschung. Das Spielmaterial ist einfach… „monkisch“… bei den Spielertableaus passt einfach alles (außer das sie erst geradegebogen werden müssen). Die Karten sind super durchdacht und decken durch Ihr Design vier Funktionen (Aktionskarte, Fertigkeit, Packhaus und Marktplatz) gleichzeitig ab. Alles ist schön übersichtlich und richtig gut gemacht. Für mich ist Kilia neben Skybridge und Biathlon Blast eines der Highlights der SPIEL 2025! Daher kann ich hier auch nicht anders als 10/10 Punkte zu vergeben. Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht ist der Kunststoff, auf den man hätte sicherlich verzichten können. Aber dann wäre es natürlich teurer geworden, wenn man statt Zipp-Beuteln Kartonboxen oder ähnliches genommen hätte.

 

Josi:

Kilia ist für mich ebenfalls eine sehr schöne Überraschung gewesen. Manchmal stößt man auch durch Zufall auf Perlen und das ist eine. Mich überzeugen auch vor allem das Design und die durchaus vielen Möglichkeiten, die wiederum aber dank der mangelnden Münzen nicht überfordern. Auf jeden Fall ein Familienspiel mit Wiederspielwert und schöner Grafik. Daher auch von mir 10 Punkte. Den einen, den ich für die verbogenen Tableaus abziehen würde, macht der Spielspaß wett.


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