Next Station: Berlin

Next Station: Berlin

Genre: Flip&Write
Autor: Matthew Dunstan
Illustrator: Maxime Morin
Spieleverlag: Blue Orange, Pegasus Spiele
Empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren
Spieldauer: 20 bis 30 Minuten

Next Station: Berlin   21.08.2026 von 2-PL4Y3R5

Die Next Station Reihe hat es uns angetan. Wir hatten bereits Next Station London, Tokyo und Paris auf dem Tisch, als sie bei HCM Kinzel erschienen sind. Dieser Verlag hat 2025 Insolvenz angemeldet, aber die Next Station Reihe hat überlebt und wurde von Pegasus Spiele übernommen. Pegasus hat nun die Reihe um einen vierten Teil ergänzt, in dem wir uns um die Hauptstadt Deutschlands kümmern: Next Station Berlin. Next Station Berlin kommt mit vielen neuen Herausforderungen und das neue Modul Durchgangseffekte ist voll kompatibel mit anderen Spielen der Reihe. Wir schauen uns hier an was Next Station Berlin anders macht, was es vielleicht besser macht und ob sich der Kauf sowohl für alte Fans der Serie als auch für Spieler, die Next Station gerade erst entdeckt haben, wirklich lohnt.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

Am Spielmaterial hat sich absolut nichts geändert. Derselbe Umfang und dieselbe Qualität: wir erhalten vier Buntstifte, einen Block mit 200 Stadtplänen auf 100 Seiten in typischem Artdesign und einige Karten in der hübschen magnetisch verschließbaren Spieleschachtel. Einziger Unterschied: hier findet man nun das Pegasus Logo, das weiße geflügelte Pferd auf rotem Hintergrund.

 

Der Spielaufbau ist gewohnt schnell. Jeder nimmt sich einen Stadtplan. Er ist in 12 durch gelbe Linien getrennte Bezirke unterteilt. Neu ist, dass jede der vier U-Bahnlinien (pink, blau, braun, grün) zwei Start-Stationen hat, eine auf der rechten Seite des Stadtplans (Krone, orange) und einen auf der linken Seite (Bär, lila).

 

Nun werden die insgesamt 11 Stationskarten gemischt und als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt. Sie zeigen wie gewohnt einen Joker und die vier Symbole Kreis, Fünfeck, Viereck und Dreieck in zwei verschiedenen Farben. In Next Station Berlin haben diese Farben aber eine tiefere Bedeutung, denn sie beziehen sich auf die zwei Startstationen Krone (orange) und Bär (lila) einer jeden U-Bahnlinie. In Next Station Berlin arbeitet man bei jeder Linie an zwei Strecken parallel und kann immer nur die Strecke erweitern, zu der die gerade aufgedeckte Stationskarte passt. Die elfte Stationskarte ist die Doppelweiche.

 

Wir spielen eigentlich immer mit den beiden Modulen der fortgeschrittenen Variante, um in den Partien mehr Abwechslung zu haben. Wie gewohnt gibt es Zielkarten, von denen wieder zwei zufällig offen ausgelegt werden. Sie können von allen Spielern erfüllt werden. Und wie in den anderen drei Spielen der Reihe bietet der fortgeschrittene Modus ein Modul mit Sonderfähigkeiten. Ihr erinnert euch: In Next Station London hatte jede U-Bahnlinie bzw. Stift-Farbe eine andere Fähigkeit; bei Next Station Tokyo ist jedes Stationssymbol (Kreis, Fünfeck, Viereck, Dreieck) mit einer anderen Sonderfähigkeit verbunden; bei Next Station Paris triggerte das Erreichen der vier Randbezirke einen einzigartigen Bonus. Und in Berlin? In Next Station Berlin haben alle Spieler in jedem der vier Durchgänge eine andere Sonderfähigkeit, z.B. die Möglichkeit Strecken mit anderen U-Bahnlinien parallel verlaufen zu lassen oder bestimmte Stationen oder Bezirke zählen in der Durchgangswertung mehrfach. Um die Fähigkeiten anzuzeigen, werden die vier Durchgangskarten ausgelegt und darunter jeweils eine Effektkarte, welche die Sonderfähigkeit für den entsprechenden Durchgang darstellt.

 

Nun müssen nur noch die vier Buntstifte verteilt werden und schon geht es los.

 

Das Spielziel

 

Wie immer geht es um Siegpunkte. Gewertet wird sowohl nach jedem der vier Durchgänge als auch am Spielende. Die „Basispunkte“ sind dieselben wie sonst auch: Für jede U-Bahnlinie wird gepunktet entsprechend der Anzahl der Bezirke, durch die diese Linie fährt, multipliziert mit der Anzahl der Stationen in dem Bezirk, in der die Linie die meisten Stationen anfährt. 10 extra Punkte gibt es, wenn man die beiden Strecken einer jeden Linie miteinander verbinden konnte.

Ebenfalls gewohnt ist die Schlusswertung: 10 Punkte pro erfülltes Ziel und extra Punkte für Stationen mit Umstiegsmöglichkeiten, also Stationen, an die unterschiedliche U-Bahnlinien Halt machen: 2 Punkte pro Station mit zwei Linien, 5 Punkte pro Station mit drei Linien und 9 Punkte pro Station mit vier Linien.

 

Der Spielablauf

 

Jeder Spieler startet mit einer anderen U-Bahnlinie bzw. Stift-Farbe. Nacheinander werden Stationskarten aufgedeckt, wonach Spieler gleichzeitig ihre aktive U-Bahnlinie mit einer Station verbinden können, die dasselbe Symbol wie auf der aufgedeckten Stationskarte zeigt, und zwar nach gängigen Regeln: immer nur die Enden der Linie verlängern, kein Kreuzen von Strecken, keine parallelen Strecken, und nur entlang vorgezeichneter Linien. Sobald die fünfte Stationskarte derselben Farbe (lila oder orange) aufgedeckt wurde, endet die Runde. Es folgt die Wertung der aktiven U-Bahnlinie eines jeden Spielers, die Stifte werden weitergereicht, Stationskarten neu gemischt und die Arbeit beginnt an der nächsten U-Bahnlinie. Nachdem alle Spieler die vierte U-Bahnlinie Linie abgeschlossen haben, endet die Partie mit der Schlusswertung. So weit ist alles bekannt. Was macht Next Station Berlin nun anders?

 

Neben der neuen Anordnung der Stationen auf dem Stadtplan, den neuen Zielen und der neuen Fähigkeiten der Effektkarten gibt es drei wesentliche Neuerungen, welche Komplexität und Spielstrategie maßgeblich beeinflussen können.

 

Zum einen wäre da die auffälligste Neuerung, welche die Komplexität von Next Station Berlin im Vergleich zu seinen Vorgängern nochmal nach oben pusht: Es gibt zwei Start-Stationen für jede U-Bahnlinie. Man darf aber nicht frei entscheiden, welche der beiden Strecken man verlängert. Dies wird von der Stationskarte vorgegeben: Sowohl für die Bär-Strecke (orange) als auch die Krone-Strecke (lila) gibt es jedes der vier Stations-Symbole einmal, und zwar auf den entsprechenden orangenen bzw. lilanen Stationskarten. Damit muss man planen. Aber es kann natürlich vorkommen, dass nicht jedes Symbol gezogen wird, weil der Durchgang früher endet. Das große Ziel: die beiden Strecken zu einer einzelnen Strecke verbinden, schnellstmöglich. Weil dies extra Punkte gibt und man ab diesem Zeitpunkt die Farbe der Stationskarte ignorieren kann. Man ist also etwas flexibler im weiteren Streckenausbau.

 

Die zweite Neuerung ist nicht ganz neu, aber zumindest eine Abwandlung von Altbekanntem: Die Stationskarte „Doppelweiche“. Zog man bei einem Vorgänger von Next Station Berlin eine Weichenkarte, so wurde direkt die nächste Stationskarte aufgedeckt. Im Anschluss konnte man von einer beliebigen Station der aktiven Linie die Strecke zu einer Station weiterführen, die das Symbol der danach aufgedeckten Stationskarte zeigt. Danach hat die aktive U-Bahnlinie drei Enden, die man verlängern kann. Mit der Doppelweiche funktioniert das ganze genauso, mit dem Unterschied, dass man sowohl für die Bär- als auch für die Kronen-Strecke der aktiven U-Bahnlinie eine solche Weiche legen kann. Sind die beiden Strecken bereits verbunden, darf man dennoch zwei Weichen legen.

 

Die dritte Neuerung sind die S-Bahnen. Dabei handelt es sich um eine Sonderfunktion, die mit den Joker-Stationskarten verbunden sind. Mit einem Joker darf man eine beliebige Station mit der aktiven U-Bahnlinie verbinden. In Next Station Berlin zeichnet man danach einen Kasten um die neu angebundene Station: hier fährt auch die S-Bahn durch! Sie zählt dann als zwei Stationen bei der Wertung der Umstiegsmöglichkeiten. Schafft man es diesen Bonus gut auszunutzen, kann man seine Schlusswertung der Umstiegsmöglichkeiten erheblich verbessern.

 

 

Bildergalerie von Next Station: Berlin (8 Bilder)

Spielmaterial

 

  • 1 Block mit 100 Stadtplänen von Berlin (doppelseitig)
  • 5 Stationskarten „Bär“
  • 5 Stationskarten „Krone“
  • 1 Stationskarte „Doppelweiche“
  • 5 Zielkarten
  • 5 Effektkarten
  • 4 Durchgangskarten
  • 4 Buntstifte
  • 1 Regel


Cover & Bilder © Cover: Pegasus Spiele GmbH / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß/Spielgefühl: Next Station Berlin spielt sich exakt so wie seine drei Vorgänger. Man weiß, was man bekommt: einen neuen Stadtplan, neue Zielkarten, neue Sonderfähigkeiten und zwei, drei neue Mechanismen, die es zu entdecken gilt. Spaß gemacht hat Next Station Berlin auf jeden Fall. Ein neues Puzzle, neue Tüftelei und Optimierung. Planung mit Risikomanagement. Das ist der Spielreiz. Und gerade, wenn man sich an den Vorgängern satt gespielt hat, oder man noch gar nicht mit dieser Reihe in Berührung kam, macht man mit Next Station Berlin nichts falsch.

 

Balancing/Glücksfaktor: Auch hier ist alles beim Alten: Als Flip&Write ist Next Station Berlin natürlich glückslastig; auf der anderen Seite sollte man auch mal den Mut haben eine Strecke gar nicht einzuzeichnen, um sich nicht in eine Sackgasse zu manövrieren. Planung ist immer noch der Schlüssel zum Erfolg. Und gerade auch im fortgeschrittenen Modus gibt es direkt zu Spielbeginn bekannte Sonderfähigkeiten und Ziele, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten.

 

Komplexität/Regeln: Next Station Berlin erscheint uns als etwas komplexer als die Vorgänger. Denn man arbeitet parallel für jede der vier U-Bahnlinien an zwei Streckenabschnitten, die man zusammenführen möchte. Das bedarf guter Vorausplanung. Man muss ständig einen guten Überblick darüber haben, welche Symbole man genau braucht, damit die Zusammenführung vor Ende des Durchgangs gelingt und wie wahrscheinlich das noch ist. Risikomanagement ist angesagt. Denn nur nach Zusammenführung der beiden Strecken gibt es die 10 extra Punkte und nur dann kann man auch wie gewohnt auf eine Top-Basiswertung hinarbeiten, weil ansonsten die Bezirksanzahl und die Anzahl Stationen des Bezirks mit den meisten Stationen für beide Strecken separat gewertet werden, also z.B. (2*3)+(3*1) = 9 statt (2+3)*3 = 15, wenn beide Strecken verbunden wurden. Insgesamt können einem so richtig viele Punkte entgehen. Auch die S-Bahnen sorgen dafür, dass man die Wertung weiter pushen kann, weil sie die Wertung der Umstiegsmöglichkeiten an der jeweiligen Station verdoppelt. Allerdings gilt auch hier: Das funktioniert nur bei guter Vorausplanung. Ohne mindestens zwei U-Bahnlinien an einer S-Bahn, bringt die S-Bahn keine Punkte. Nur, wenn man Umstiegsmöglichkeiten und S-Bahnen an denselben Stationen hinbekommt, regnet es extra Punkte.

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Wie die Vorgänger, lässt sich Next Station Berlin mit bis zu vier Personen spielen. Da Flip&Write-typisch gleichzeitig gespielt wird, funktioniert das für jede Spielerzahl gleichermaßen gut. Next Station Berlin ist das erste Spiel der Reihe, das ich auch Solo ausprobierte. Und ich muss zugeben: auch Solo macht die Highscore-Jagd Spaß!

 

Spieldauer: Wie immer: 20-30 Minuten steht auf der Verpackung. In der Regel ist man nach 20 Minuten durch, es sei denn man hat Grübler am Tisch. Perfekt für Zwischendurch oder nach einem langen Arbeitstag, wenn man dann noch frisch genug im Kopf sein sollte.

 

Wiederspielbarkeit: Wie in den Rezensionen der Vorgänger erwähnt ist Wiederspielbarkeit so eine Sache. Der Stadtplan ist immer derselbe, lediglich die Anzahl und Reihenfolge in denen die Stationskarten aufgedeckt werden ändert sich von Durchgang zu Durchgang und von Partie zu Partie. Die Zielkarten und Effektkarten sorgen für mehr Abwechslung. Aber irgendwann ist es einfach immer dasselbe. Auf der anderen Seite gibt es zahllose Spieler, die genau das mögen: die Highscore-Jagd, die nicht nur vom perfekten Spiel, sondern auch vom Kartenglück und der Kombination verwendeter Ziel- und Effektkarten abhängig ist. Klar, Highscore Jagd ist was Feines. Wir sind aber auch froh alle vier Teile der Serie zu haben und je nach Lust und Laune mal in London, Tokyo, Paris oder jetzt auch in Berlin U-Bahnlinien zu konstruieren. Oder einen Next Station Marathon mit allen vier Teilen innerhalb einer knappen Stunde durchzuziehen. Es gewinnt derjenige, der am Ende in Summe die meisten Punkte geholt hat!

 


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