The Royal Society of Archeology

The Royal Society of Archeology

Genre: Arbeitereinsatzspiel • Set-Collection
Autor: Eric Jumel
Illustrator: Guillaume Tavernier
Spieleverlag: Atalia, HUCH!
Empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Spieldauer: 90-120 Minuten

The Royal Society of Archeology   23.02.2026 von 2-PL4Y3R5

Archäologie ist der Zugang zu unserer Vergangenheit. Im Goldenen Zeitalter der Entdeckungen, ca. 1820 bis 1930, gab es zahlreiche große Errungenschaften – darunter die Entzifferung der Hieroglyphen (1822), die Entdeckung von Troja (1873) und die Öffnung des Grabes von Tutanchamun (1922). In The Royal Society of Archeology geht ihr auf Expeditionen, um Relikte zu bergen und sie anschließend im Royal Museum auszustellen. Zwar gab es historisch nie eine Gesellschaft mit exakt diesem Namen, doch die Spielmechaniken und die Orte, die ihr während der Expeditionen besucht, sind wahren Begebenheiten nachempfunden. Mit diesem Spiel begibt man sich auf eine Reise ins frühe 20. Jahrhundert und wird in die Lage versetzt, selbst zum größten Entdecker dieser Zeit aufzusteigen.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

The Royal Society of Archeology kommt in hübschen Pastelltönen und mit einem sehr schönen, einzigartigen Artwork auf den Expeditionskarten daher, welche unter anderem verschiedene Tempel und Ausgrabungsstätten zeigen. Am hochwertigsten sind die verschiedenfarbigen und einfarbig bedruckten Reliktmarker aus Holz, die im Spielverlauf aus bedruckten Stoffbeuteln gezogen werden. Genial auch für die Haptik! Die drei „Arbeiter“ eines jeden Spielers zeigen bunt bedruckte, individuelle Charakterporträts, was ebenfalls richtig gut aussieht. Darüber hinaus gibt es leider keine doppellagigen Spielertableaus, sodass man etwas aufpassen muss, damit die drei Marker auf ihren Leisten nicht verrutschen.

 

Schauen wir uns den Spielaufbau an, der für ein Strategiespiel dieser Komplexität relativ schnell vonstattengeht. Zuerst kommt der Spielplan in die Tischmitte. Achtung: Er benötigt richtig viel Platz, obwohl hier eigentlich nur vier Aktionsfelder und ein paar Leisten zu sehen sind. Die vier Aktionsfelder bilden einen Halbkreis, in dem die Arbeiter entsprechend ihrer Expertise (1–6) platziert werden müssen, was einiges an Raum einnimmt.

 

Oberhalb des Spielplans wird der gemischte Kartenstapel mit Expeditionskarten ausgelegt, wovon sechs offen in die Auslage kommen. Sie existieren in vier Farben (Rot, Grün, Gelb, Blau), entsprechend den vier Regionen im Spiel (Afrika, Mittelmeer, Asien, Südamerika). Erfüllt man die oben links auf der Expeditionskarte aufgeführten Bedingungen, kann man im Spielverlauf die entsprechende Expedition ausführen und die im unteren Bereich angegebenen Belohnungen erhalten. Das sind häufig auch farblich passende Reliktmarker. Diese werden in den farblich passenden Stoffbeuteln sortiert und von dort oft zufällig gezogen.

 

Der Spielplan zeigt mehrere Leisten, auf denen die Spieler ihre Marker platzieren. In der Mitte des Spielplans befinden sich vier Wissensleisten, die jeweils einer der vier Regionen zugeordnet sind. Das Wissen in einer Region ist eine der Voraussetzungen für dortige Expeditionen. Um den Spielplan herum verlaufen die Prestige- und Gelehrsamkeitsleisten. Am Spielende entspricht die Punktzahl des am wenigsten fortgeschrittenen Markers den erreichten Siegpunkten. Oben rechts befindet sich die Ansehensleiste. Ansehen ist teils Ressource und teils Voraussetzung für das Ausführen bestimmter Aktionen.

 

Oberhalb des Spielplans werden drei Plättchenarten ausgelegt: Jeweils ein schwarzes königliches Anforderungsplättchen für Periode 1 und 2 wird offen links oben platziert. Diese Anforderungen müssen zum Ende der jeweiligen Periode erfüllt sein, um einen Malus zu verhindern. Zudem werden drei blaue Royal-Society-Plättchen für die A-, B- und C-Felder ausgelegt. Diese geben allgemeine Ziele vor, die im Spielverlauf Siegpunkte (Prestige oder Gelehrsamkeit) einbringen. Abhängig von der Spielerzahl n werden zudem jeweils n+1 10er- und 25er-Bloomsbury-Plättchen als verdeckte Stapel bereitgelegt. Wer 10 bzw. 25 Prestige erreicht, darf sich von den übrigen Plättchen eines aussuchen, um Boni und Siegpunkte-Bedingungen freizuschalten.

 

Jetzt fehlen nur noch einige Kleinigkeiten beim allgemeinen Spielaufbau. Unterhalb der Wissensleisten werden auf die fünf Felder zufällige Sammlungsplättchen der entsprechenden Größe platziert. Das ist das Museum, das bestimmte Reliktmarker ausstellen möchte; am Spielende gibt es hier eine Mehrheitenwertung. Außerdem wird der verdeckte Kartenstapel mit Gönnerkarten rechts auf dem Spielplan platziert. Und zuletzt wird der Vorrat aus Geldmarkern bereitgelegt.

 

Nun geht es zum persönlichen Spielaufbau. Jeder Spieler erhält das Spielmaterial in der gewählten Farbe. Die drei Gesellschaftsmarker eines jeden Spielers kommen auf die Prestige-, Gelehrsamkeits- und Zugreihenfolge-Leiste des Spielplans. Jeweils eine Gesellschaftsscheibe kommt auf den Beginn der vier Wissensleisten und auf das Feld 4 der Ansehensleiste des Spielplans. Zum Spielermaterial gehören auch das Gesellschaftstableau und die drei Forschenden-Spielfiguren, oder vereinfacht ausgedrückt: das Spielertableau und die Arbeiter. Das Spielertableau zeigt für jeden der drei Arbeiter eine Expertiseleiste, sodass jeder Arbeiter im Spielverlauf eine unterschiedliche Expertise haben wird, welche die Qualität der ausgeführten Aktionen mitbeeinflusst. Um die Expertise im Spielverlauf zu verfolgen, wird jeweils ein Expertisemarker auf jede Leiste platziert.

 

Nun geht es um die Auswahl der Startressourcen und Startbedingungen. Diese sind asymmetrisch. Jeder Spieler erhält zwei Studienkarten, zwei Gesellschaftskarten und vier Expeditionskarten. Die zwei Studienkarten bleiben verdeckt im eigenen Spielbereich und geben Ziele vor, die einen bei Erfüllung am Spielende noch einmal auf der Gelehrsamkeitsleiste vorrücken lassen. Von den zwei Gesellschaftskarten sucht man sich eine aus, die sowohl Startressourcen (Wissen, Relikte, Geld, Ansehen, Expertise, Prestige etc.) als auch eine Sonderfähigkeit für den Spielverlauf zeigt. Die gewählte Karte wird nach Erhalt der Startressourcen so unter das Spielertableau geschoben, dass nur noch die Sonderfähigkeit sichtbar ist. Von den vier Expeditionskarten werden zwei ausgewählt, die man auf der Hand behält. Die übrigen zwei werden abgelegt. Im Anschluss entscheidet man sich, welche Seite des Spielertableaus man verwendet. Die beiden Seiten zeigen unterschiedliche Fähigkeiten für die drei Arbeiter, z. B. kann der erste Arbeiter auf der einen Seite des Tableaus zwei Wissen für das Mittelmeer mitbringen, auf der anderen Seite zwei Wissen für Afrika. Zuletzt muss man die Expertise der drei Arbeiter festlegen. Dabei startet jeweils ein Arbeiter mit einer, zwei bzw. drei Expertise.  

 

Ein beliebiger Spieler platziert zuerst seinen Gesellschaftsmarker auf der Zugreihenfolge-Leiste und erhält den angegebenen Bonus, gefolgt von den Spielern im Uhrzeigersinn. Die Positionen der Marker geben dann die Zugreihenfolge vor. Nun kann es losgehen.

 

Das Spielziel

 

In The Royal Society of Archeology geht es darum, am Ende des Spiels die meisten Siegpunkte zu haben. Dabei sind zwei Leisten relevant: die Prestige-Leiste und die Gelehrsamkeits-Leiste. Am Spielende wird der Marker auf der Gelehrsamkeitsleiste auf das entsprechende Feld der Prestigeleiste verschoben. Die Siegpunkte eines Spielers entsprechen dann der Position des Markers auf der Prestigeleiste, der am wenigsten weit fortgeschritten ist. Man will also beide Marker im Spielverlauf gleichmäßig voranschreiten lassen. Was bringt also Prestige bzw. Gelehrsamkeit? Beides gibt es im Spielverlauf und in der Endwertung zu holen. Hier eine kleine Übersicht:

 

Im Spielverlauf:

  • Expeditionskarten geben meist direkt Prestige und/oder Gelehrsamkeit.
  • Das Erfüllen der Royal-Society-Plättchen gibt entweder Gelehrsamkeit (A, B) oder Prestige (C) – und davon jeweils doppelt so viel, wenn man das Ziel als Erster erfüllt hat.
  • Prestige und Gelehrsamkeit gibt es beim Voranschreiten auf den Wissensleisten.
  • Prestige gibt es zu Beginn jeder Runde, wenn man Startspieler ist.
  • Prestige gibt es am Ort „The Royal Museum“, wenn ein anderer Arbeiter von dem eigenen Arbeiter „lernt“, weil dieser dort die höchste Expertise hat. Außerdem gibt es Prestige, wenn man ein Relikt auf einem der Sammlungsplättchen des Museums ausstellt. Am selben Ort erhält man mit der Aktion „ein Relikt studieren“ für Relikte Gelehrsamkeit.

 

Am Spielende:

  • Auch am Spielende gibt das Museum Punkte. Für jedes Sammlungsplättchen, das im Spielverlauf vollständig mit Relikten beliefert wurde, gibt es 12 Prestige für denjenigen, der dort die meisten Relikte ausgestellt hat. Ist das Plättchen nicht voll, gibt es 6 Prestige für denjenigen mit der Mehrheit.
  • Dann gibt es Gelehrsamkeit für die zwei geheimen Studienkarten, und zwar 0 bis 3 pro Karte, je nachdem, wie viele Voraussetzungen erfüllt wurden.
  • Bloomsbury-Plättchen können auch am Spielende Prestige oder Gelehrsamkeit geben.
  • Man verliert Prestige für jede Gönnerkarte, die man im Spielverlauf nicht umgedreht hat.

 

Der Spielablauf

 

The Royal Society of Archeology wird über insgesamt vier bzw. fünf Runden, sogenannte Jahre, gespielt – abhängig von der Spielerzahl. Jedes Jahr beginnt mit der Vorbereitungsphase. Hier wird die Zugreihenfolge festgelegt, indem die Spieler ihren Marker in der Reihenfolge von hohem zu niedrigem Ansehen auf die Felder der Zugreihenfolge-Leiste platzieren und den entsprechenden Bonus erhalten. Dann werden die zwei ganz rechts ausliegenden Expeditionskarten abgeworfen und die Leiste von links mit zwei neuen Karten aufgefüllt. Zuletzt holt jeder Spieler seine drei Arbeiter zurück.

 

In der anschließenden Aktionsphase eines jeden Jahres sind die Spieler immer entsprechend der Marker-Reihenfolge auf der Zugreihenfolge-Leiste am Zug. Sie setzen dann genau einen ihrer drei Arbeiter auf einen der vier Orte des London-Spielplans ein, um dessen Aktion auszuführen. Jeder Spieler hat also drei Züge pro Runde. Neben den vier Hauptaktionen stehen noch ein paar Nebenaktionen zur Verfügung, die jederzeit während des eigenen Zuges ausgeführt werden können.

 

Bevor wir uns die vier Hauptaktionen und die Nebenaktionen genauer anschauen, wollen wir einen Blick auf die Besonderheiten im Arbeitereinsatz von The Royal Society of Archeology werfen. Zuallererst: Arbeiter blockieren sich in keiner Weise. Stattdessen lernen Arbeiter von Arbeitern mit höherer Expertise am selben Ort, wodurch sowohl Lehrer als auch Schüler ortsspezifische Boni erhalten. Hier spielt die Expertise eines jeden Forschenden eine Rolle. Platziere ich einen Forschenden mit Expertise 3 an einen Ort, auf dem bereits ein Forschender mit Expertise 4 oder höher steht, dann erhalte ich den links auf dem Feld abgedruckten Ortsbonus, und der Spieler, dem der Forschende mit der höheren Expertise gehört, erhält den Ortsbonus, der rechts abgebildet ist. Neben diesen Ortsboni müssen auch Voraussetzungen für das Ausführen von Ortsaktionen beachtet werden: So benötigt man für den Besuch von „The Royal Museum“ bzw. „The City“ mindestens 6 bzw. 4 Ansehen. Und die Expertise des eingesetzten Arbeiters bestimmt, mit welcher Stärke die Aktion ausgeführt werden kann.

 

Schauen wir uns nun die vier Ortsaktionen an. Der Ort „Port of London” ist der Ort, den alle besuchen wollen, um die Aktion „eine Expedition organisieren“ auszuführen. Allerdings muss man zunächst einige Vorbereitungen treffen: Expeditionskarten haben Voraussetzungen und Kosten wie Wissen, Expertise, Geld und Ansehen. All dies lässt sich z. B. über andere Aktionen auf dem London-Spielplan organisieren (siehe unten). Die Karten aus der Auslage können Ansehen entsprechend des auf dem Spielplan abgedruckten Wertes kosten; je weiter links sie liegen, desto mehr. Außerdem kosten Expeditionen Geld, wie auf der Karte oben links abgedruckt. Weitere Wissens- und Expertise-Voraussetzungen sind ebenfalls auf der Karte oben links vermerkt. Man darf aber jeweils 2 Ansehen zahlen, um die Geldkosten um 3 und die Wissensvoraussetzung um 1 zu reduzieren. Außerdem haben die drei Arbeiter besondere Fähigkeiten und bringen z. B. Wissen in einer bestimmten Region oder Logistik-Fähigkeiten mit, welche die Geldkosten oder Wissensvoraussetzung faktisch weiter reduzieren können. Hat man alles verrechnet und bezahlt, erlaubt es die Aktion, eine Expeditionskarte aus der Auslage oder von seiner Hand auszuspielen und die Belohnungen abzukassieren, die unten auf der Karte abgedruckt sind. Das sind meist Siegpunkte, Relikte und andere Boni. Relikte werden dabei entweder zufällig aus einem Beutel gezogen (Symbol: geschlossenes Auge) oder können ausgewählt werden (Symbol: offenes Auge).

 

Am Ort „University of London“ kann man die Aktion „an der University of London studieren” ausführen. Sie ermöglicht es, auf den vier Wissensleisten voranzuschreiten. Je mehr Expertise der eingesetzte Arbeiter hat, desto mehr Wissen kann man erhalten. Ab einer Expertise von 4 kann man drei Wissen in einer Leiste erhalten, wenn man einen passenden Reliktmarker abwirft.

 

Der Ort „The City“ hält zwei Aktionen bereit, mit denen man an Geld kommt. Die erste Aktion „einen Gönner treffen“ erlaubt es, zwei Gönnerkarten zu ziehen und eine auszuwählen, die man vor sich auslegt. Man erhält je nach gewählter Karte drei bis fünf Geld pro Expertise des eingesetzten Arbeiters. Man muss allerdings die Nebenaktion „einem Gönner danken“ ausführen, damit die Karte am Spielende keine negativen Siegpunkte gibt! Alternativ kann man die Aktion „ein Relikt verkaufen“ ausführen: Man verliert ein Ansehen und einen Reliktmarker, erhält dafür aber 15 Geld.

 

Der Ort „The Royal Museum“ ermöglicht zwei Aktionen, mit denen man Relikte in Siegpunkte eintauscht. Mit der Aktion „Relikt ausstellen“ darf man abhängig von der Expertise des eingesetzten Arbeiters ein, zwei bzw. drei Relikte abwerfen und auf die passenden Felder der Sammlungsplättchen im Museum Gesellschaftsscheiben platzieren, um anzuzeigen, dass man das entsprechende Relikt ausgestellt hat. Je nach Sammlungsplättchen, auf dem man seine Scheibe platziert, erhält man unterschiedliche Sofortboni; außerdem entscheidet die Platzierung über die Mehrheitenwertung am Spielende. Alternativ kann man mit der Aktion „ein Relikt studieren“, je nach Expertise, ein oder zwei Relikte abwerfen, um ein oder zwei Gelehrsamkeit zu erhalten.

 

Kommen wir nun zu den Nebenaktionen. Zwei Nebenaktionen können jederzeit im eigenen Zug ausgeführt werden. Zum einen kann eine Gesellschaftsscheibe ausgegeben werden, um 2 Ansehen zu erhalten – eine Notlösung, denn Gesellschaftsscheiben sind limitiert und die ausgegebene Scheibe steht dann nicht mehr zur Verfügung, um Relikte im Museum auszustellen oder Royal-Society-Ziele zu erfüllen. Ebenfalls jederzeit während des eigenen Zuges darf man einem Gönner danken. Er hat euch Geld gebracht und so Expeditionen finanziert. Ihr dankt ihm, indem das auf der Gönnerkarte abgebildete Relikt abgeworfen wird. Dann dreht man die Gönnerkarte um und erhält ein Ansehen (und verliert am Spielende keine Siegpunkte).

Zwei weitere Nebenaktionen werden ausgeführt, sobald man das entsprechende Ziel erreicht hat. Sobald ein Ziel auf einem der Royal-Society-Plättchen erreicht wurde, platziert man eine Gesellschaftsscheibe darunter und nimmt sich die Belohnung, Prestige oder Gelehrsamkeit. Hat man das Ziel als Erster erfüllt, bekommt man die erste Belohnung, alle weiteren Spieler dann die zweite. Sobald man 10 bzw. 25 Prestigepunkte erreicht hat, darf man sich vom entsprechenden Stapel der Bloomsbury-Plättchen eines aussuchen und schaltet so Siegpunktbedingungen für das Spielende oder Sofortboni frei.

Die Nebenaktion „einen Forscher unterstützen“ kann beim Platzieren eines Arbeiters ausgelöst werden. Man zahlt 1 Ansehen, um die Expertise seines Arbeiters vorübergehend – d. h. nur für die Ausführung der einen Aktion – um 1 zu erhöhen.

Die letzte Nebenaktion „eine Expedition reservieren“ wird nur dann ausgeführt, wenn das entsprechende Symbol im Rahmen anderer Aktionen oder Boni dazu auffordert. Sie erlaubt es, entweder eine Expeditionskarte aus der Auslage auf die Hand zu nehmen oder drei Expeditionskarten vom Stapel zu ziehen und eine auszuwählen.

 

Am Ende eines Spielerzuges muss man immer auf 3 Handkarten abwerfen. Am Ende des letzten und drittletzten Jahres, wenn alle Spieler ihre drei Züge ausgeführt haben, wird überprüft, ob die entsprechende königliche Anforderung erfüllt wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, gibt es einen Malus, je nach ausliegendem Plättchen. Auch diese Plättchen gilt es also nicht zu vernachlässigen. Zuletzt folgt die Schlusswertung. Der Spieler mit dem meisten Prestige des am zweitweitesten vorgerückten Markers gewinnt The Royal Society of Archeology.

 

 

Bildergalerie von The Royal Society of Archeology (15 Bilder)

Spielmaterial

 

  • 1 London-Spielplan (doppelseitig)
  • 1 Jahresmarker
  • 3x 4 Royal Society-Plättchen (A, B, C)
  • 2x 10 Bloomsbury-Plättchen (10 Prestige, 25 Prestige)
  • 2x 4 Königliche Anforderungsplättchen (Periode 1, Periode 2)
  • 3x 4 Sammlungsplättchen (doppelseitig; 3er, 5er, 7er)
  • 60 Reliktmarker (15 pro Region)
  • 4 Regionsbeutel für die Reliktmarker
  • 48 Expeditionskarten
  • 16 Gönnerkarten
  • 12 Gesellschaftskarten
  • 16 Studienkarten
  • 96 Geld-Marker (56x 1er, 24x 5er, 16x 10er)

 

Spielermaterial (je Spielerfarbe)

  • 1 Gesellschaftstableau
  • 3 Forschenden-Spielfiguren
  • 3 Expertise-Würfel
  • 15 Gesellschaftsscheiben
  • 3 Gesellschaftsmarker

 

Sonstiges Material

  • 1 Regelbuch
  • 1 Spielhilfe (doppelseitig)
  • 9 Automa-Karten


Cover & Bilder © Cover: Hutter Trade GmbH + Co KG / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß/Spielgefühl: The Royal Society of Archeology ist ein überraschend thematisches Spiel. Wir sind zwar keine Archäologie-Experten, aber die Zusammenhänge sind sehr durchdacht und die verschiedenen Expeditionskarten bilden tatsächlich reale Orte ab. Auch die Regionen enthalten eine unterschiedliche Zusammensetzung an Relikten: So gibt es in Asien mehr Schriftrollen und in Südamerika mehr Schmuck. Selbst ein Hinweis in der Anleitung zur Verurteilung des Diebstahls von Kulturerbe fehlt nicht. Hier hat sich also jemand tief mit der Materie beschäftigt, und das spürt man. All das kommt der Immersion zugute. Das ist aber nur einer der Aspekte an Royal Society, die uns sehr gut gefallen haben.

Am Ende muss auch die Mechanik Spaß machen. Hat sie das? Und ob! Am meisten hervorgestochen und prägend für das Spielgefühl waren der Tiefgang, die Verzahnung und die Spielerinteraktion. Beides ist unten näher ausgeführt. Zusammengenommen ergibt sich ein Spielgefühl, das einerseits dem klassischer Strategiespiele ähnelt: Es geht um das typische Ausknobeln der idealen Aktionsreihenfolge für maximale Effizienz. Auf der anderen Seite hebt es sich dennoch vom Gefühl anderer Strategiespiele ab. Denn dort knobelt man meist nur vor sich hin. In The Royal Society wird das Puzzle von den Mitspielern beeinflusst, und zwar durch positive Spielerinteraktion statt durch das Blockieren von Arbeitereinsatzfeldern. Man erhält durch diese Interaktion Boni, statt sich irgendwie zu schaden. Das hat uns richtig gut gefallen!

 

Balancing/Glücksfaktor: The Royal Society of Archeology ist ein Strategiespiel, bei dem der Glücksfaktor nur in wenigen, aber dafür entscheidenden Spielelementen zum Tragen kommt. Wer Glück in Strategiespielen nicht ausstehen kann, sollte sich vielleicht etwas zurückhalten; wir finden aber: Die vorhandenen Glückselemente erhöhen die Spannung, ohne die Strategieoptionen zu dominieren. Es gibt immer Auswege aus jeder Spielsituation.

Lasst es uns etwas aufschlüsseln: Über Arbeitereinsatz, Ressourcenmanagement und die Planung zur Erfüllung von Aktionsvoraussetzungen – wie die Leistenfortschritte in Expertise, Wissen und Ansehen – hat man in der Regel volle Kontrolle.

Wo spielt Glück also eine Rolle? Der größte Glücksfaktor – und das ist ausgesprochen thematisch und daher nachvollziehbar – ergibt sich, wenn man nach Relikten gräbt. Diese zieht man nämlich zumindest teilweise zufällig aus Beuteln. Nur teure Expeditionen bieten den Luxus, ein bestimmtes Relikt auswählen zu dürfen. Zieht man zufällig, kennt man zwar das Symbol nicht, aber die Farbe des Relikts ist in jedem Fall bekannt, weil sie der Farbe der Expeditionskarte bzw. der Region entspricht, in der man nach Relikten gräbt. Und da die verschiedenen Reliktarten in den Regionen unterschiedlich verteilt sind, kann man so zumindest die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der man ein bestimmtes Relikt findet. Am Ende ist also alles halb so wild. Zwar fordert das Museum bestimmte Relikte, um Boni und am Spielende Siegpunkte durch Mehrheitswertung abzuräumen, aber Relikte haben zahlreiche weitere Verwendungen, sodass letztlich jedes Relikt hilft.

Glücksfaktor Nummer 2: Die Expeditionskarten in der Auslage können sich gerade in Mehrspielerpartien schnell ändern. Wenn neue Karten ausgelegt werden, können diese mal perfekt, mal gar nicht zu den eigenen Ressourcen, den Fortschritten auf den Leisten oder den Set-Collection-Bedingungen passen. Auf der anderen Seite kann man sich Expeditionskarten über verschiedene Aktionen reservieren und so eine Kartenhand aufbauen, sodass der Glücksaspekt bei der Kartenauslage eher gering ausfallen sollte, wenn man auf Nummer sicher gehen möchte.

Zuletzt gibt es da noch die Gönnerkarten, von denen man zwei zufällige zieht, wenn man die entsprechende Aktion ausführt. Eine davon darf man sich aussuchen. Sie bestimmt dann, wie viel Geld man erhält und welches Relikt benötigt wird, um den Siegpunkte-Malus am Spielende zu umgehen („einem Gönner danken“).

Nun noch ein kurzer Blick aufs Balancing: Die Spieler haben asymmetrische Startbedingungen. Diese werden zufällig zusammengestellt und können mal mehr Synergien aufweisen, mal weniger. In unseren ersten Partien ist aber nicht der Eindruck entstanden, dass dies gravierende Vor- oder Nachteile beschert. Gerade bei der Set-Collection kann jede Karte ohnehin nur für ein Symbol in die Wertung eingehen.

 

Komplexität/Regeln: Der Spielablauf in The Royal Society of Archeology ist relativ simpel und für ein Kennerspiel an der Grenze zum Expertenspiel auch wirklich schnell erklärt. Auch das Regelheft selbst ist mit insgesamt genau 20 Seiten nicht sehr lang. Die Detailregeln zum Spielablauf passen dabei auf nur 7 Seiten mit großer Schrift und vielen Abbildungen.

Es gibt auf dem Spielplan nur 4 Orte, an denen man insgesamt sechs verschiedene Aktionen ausführen kann. Der Anspruch ergibt sich daraus, die effizienteste Reihenfolge der Aktionen auszuloten. Denn Aktionen haben eine Aktionsstärke, die sich durch die Expertise des eingesetzten Arbeiters ergibt, sowie verschiedene Zugangsvoraussetzungen in Form von Ansehen. Hinzu kommen die Ortsboni, die davon abhängig sind, welche anderen Arbeiter mit welcher Expertise bereits am Ort stehen oder später dort platziert werden. Die Komplexität ergibt sich auch aus der Verzahnung im Ressourcen- und Leistenmanagement. Expertise, Ansehen und auch Wissen – eine zusätzliche Voraussetzung für das Durchführen von Expeditionen – werden als Fortschritt auf Leisten nachverfolgt. Ansehen kann man zudem „ausgeben“, um Expertise, Wissen und Geldkosten vorübergehend zu manipulieren.

Am interessantesten und einzigartigsten an The Royal Society ist das Spielelement der Ortsboni. Welche Aktion man zu einem bestimmten Zeitpunkt wählt, hängt nicht nur davon ab, welche Aktion man ausführen möchte (und auf Basis der Ressourcen und Voraussetzungen überhaupt kann), sondern auch von den zuvor eingesetzten Arbeitern – sowohl der eigenen als auch denen der Mitspieler. Denn die Ortsboni, die es abzugreifen gibt, wenn die Expertise des Arbeiters größer bzw. kleiner als die Expertise anderer Arbeiter am selben Ort ist, können spielentscheidend sein. Ein häufiger Ortsbonus ist Ansehen. Gerade Ansehen ist immer rar und während des gesamten Spielverlaufs extrem wichtig. Ansehen gibt es an einigen Stellen zu holen, aber wenn man es quasi nebenbei im Rahmen der Ortsboni erhält, ist das ideal.

Eine weitere Verzahnung ergibt sich aus den Expeditionen und Relikten: Gerade zu Spielbeginn haben alle Arbeiter eine relativ niedrige Expertise und können alle Aktionen nur entsprechend schwach ausführen. Die Expertise dauerhaft zu erhöhen, funktioniert fast ausschließlich durch das Abschließen von Expeditionen. Das sorgt dafür, dass dieses Hauptziel nie aus den Augen verloren wird. Auf der anderen Seite will man nicht einfach irgendeine Expedition abschließen, denn zum einen kostet das Geld und eine Aktion – beides ist streng begrenzt –, zum anderen gibt es Zusatzpunkte am Spielende, wenn die Expeditionskarten zu den eigenen Studienkarten passen (Set-Collection!). Außerdem muss man darauf achten, Expeditionen durchzuführen, die bestimmte Relikte als Belohnung bieten, da passende Relikte für andere Aktionen benötigt werden, mit denen man ebenfalls Siegpunkte generiert.

Und zu guter Letzt gibt es in The Royal Society zwei Siegpunktleisten: Prestige und Gelehrsamkeit. Am Spielende zählt nur der Punktewert der Leiste, auf der man am wenigsten weit vorangeschritten ist. Man sollte also schön darauf achten, beide Leisten zu pushen!

Fazit: Es gibt zahlreiche Abwägungen, die man treffen muss – und zwar für fast alles, was man tut. Wir fanden diese Spieltiefe in Kombination mit der niedrigen Einstiegshürde, was das Regelwerk betrifft, sehr spannend.

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Die Spielerinteraktion ist für ein Arbeitereinsatzspiel wirklich besonders. So blockieren sich Arbeiter auf den Einsatzfeldern nicht gegenseitig. Stattdessen „lernen“ sie voneinander. Diese Art der Interaktion ist positiv: Beide Seiten gewinnen! Unter bestimmten Umständen kassieren nämlich beide Spieler, die am selben Ort stehen, die entsprechenden Ortsboni.

Ganz konkret: Platziert ein Spieler einen Arbeiter mit einer niedrigeren Expertise als ein anderer Arbeiter, der sich bereits an dem Ort befindet, so bekommt dieser Spieler den linken Ortsbonus; der Spieler, der den Arbeiter mit der höheren Expertise zuvor platzierte, erhält dafür den rechten Ortsbonus. Das sorgt dafür, dass man Arbeiter mit hoher Expertise eher früh während einer Runde, Arbeiter mit niedriger Expertise hingegen tendenziell später platzieren möchte. Diese Ortsboni abzukassieren, ist ein wichtiges strategisches Spielelement (siehe oben).

Alle weiteren Interaktionen sind lediglich indirekt: durch die Konkurrenz um die Expeditionskarten der Auslage, das „Graben“ nach bestimmten Relikten als Belohnung, das Ausstellen dieser Relikte im Museum für die Mehrheitenwertung und – ganz wichtig – das Erreichen der allgemeinen Ziele auf den drei ausliegenden Royal-Society-Plättchen. Denn der erste Spieler, der ein Ziel erfüllt, bekommt doppelt so viele Siegpunkte wie alle weiteren.

Wir haben The Royal Society in unserer Erstpartie zu zweit gespielt und erst danach festgestellt, dass in der 2-Spieler-Variante eine von zwei möglichen Anpassungen vorgenommen werden muss: Entweder man nimmt einen Automa mit rein oder man blockiert einige Felder auf dem Spielplan, auch damit die Ortsboni leichter zu erhalten sind. Tatsächlich fanden wir die Partie ohne Berücksichtigung der Anpassung für das 2-Personen-Spiel gar nicht schlecht. Das Spiel hat weiterhin gut funktioniert, aber eine Partie im Konfrontationsmodus, in dem Felder bereits durch eine dritte Spielerfarbe blockiert sind, war dann doch etwas interessanter, weil man leichter an Ortsboni kam und die Mehrheitenwertung im Museum dynamischer ist. In jedem Fall können wir The Royal Society für jede Spielerzahl empfehlen, auch wenn es zu dritt sicher etwas spannender wird.

 

Spieldauer: Auf der Spielschachtel stehen 30 Minuten pro Spieler; die Webseite gibt 90–120 Minuten an. Tatsächlich ist die Spieldauer für ein Spiel dieser Komplexität relativ human. In Partien mit 1–3 Spielern hat jeder Spieler 15 Züge, in 4-Spieler-Partien sind es jeweils nur 12 Züge. Und diese Züge sind sehr schnell abgehandelt. So etwas wie Kettenzüge gibt es nicht. Eine Aktion besteht lediglich daraus, einen Arbeiter zu platzieren, Ressourcen zu zahlen, seine Marker auf den Leisten vor- und/oder zurückzubewegen und Belohnungen zu erhalten. Mechanisch ist also alles sehr flott erledigt. Etwas Bedenkzeit sollte man aber dazurechnen, weil sich die Spielsituation schnell verändern kann und sich eventuell neue Ortsboni eröffnen oder Expeditionskarten erscheinen, die einen anderen Spielzug interessanter machen.

Wir haben in unserer Erstpartie zu zweit knapp zwei Stunden gebraucht und sind eher langsame Spieler. Zudem mussten wir während der Partie noch ein paar Plättchen und Symbole in der Anleitung nachschlagen. Die angegebene Spieldauer von 90–120 Minuten sollte sicher auch für ein 4-Personen-Spiel durchaus realistisch sein, sobald das Spiel bekannt ist. Dennoch: Da alle Spieler abwechselnd Züge ausführen, steigt die Spieldauer naturgemäß mit der Spielerzahl.

 

Wiederspielbarkeit: The Royal Society of Archeology hat einen variablen Spielaufbau, der die persönliche Strategie maßgeblich beeinflusst. Und das zum Glück, ohne die Aufbauzeit massiv zu erhöhen, denn es sind nur wenige Plättchen, die hier entscheidenden Einfluss nehmen.

Zum einen geben zwei zufällig ausgelegte Anforderungsplättchen vor, welche Ziele man nach einer bestimmten Runde erreicht haben muss, um einem abgedruckten Malus zu entgehen. Drei Royal-Society-Plättchen legen fest, für welche Ziele man Siegpunkte erhält. Zudem können die Spieler zwei verdeckte Stapel Bloomsbury-Plättchen nach passenden Einmalboni oder Wertungsbedingungen zum Spielende durchsuchen, sobald sie 10 bzw. 25 Prestige erreicht haben. Von jeder Plättchenart sind viermal mehr vorhanden, als in einer einzelnen Partie ausliegen.

Auf der anderen Seite wird das Museum in jeder Partie eine andere Kombination an Relikten ausstellen wollen, die wir auf Expeditionen erst einmal finden müssen. Das wird durch die zufällige Auslage der Sammlungsplättchen vorgegeben.

On-top kommt der Zufall im persönlichen Aufbau, der für einen leicht asymmetrischen Einstieg sorgt. Die zwei Studienkarten geben vor, welche Expeditionskarten man zum Spielende braucht, um maximale Set-Collection-Punkte zu erhalten. Eine Startressourcen-Karte bestimmt, mit welchen Boni man startet, und jeder darf aus vier Expeditionskarten zwei auswählen, die die Starthand bilden. Zu guter Letzt entscheidet man sich, wie man seine Start-Expertise auf seine drei Arbeiter verteilt und welche Seite des Spielertableaus man in der Partie verwenden möchte, da beiden Seiten unterschiedliche Fähigkeiten für die drei Arbeiter zugeordnet sind.

Unserer Meinung nach bieten diese Variationen ausreichend Abwechslung für zahlreiche Partien. Uns wird sicher so schnell nicht langweilig!


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